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Neue Rubrik: Wir sagen hier unsere Meinung
Aus der Vielfalt an Entwicklungen und Meldungen im Touristik-Sektor ist es nicht immer leicht, die aktuellen Trends zu gewichten. Deshalb geben wir in dieser Rubrik Meinungen und Kommentare der Redaktion zu wichtigen Themen in der Branche wider.

Ihre Reise-Pilot Redaktion
 
Preisnachlass ist kein Konzept für Drei-Generationen-Urlaub
Auch ein ganzes Schloss als Ferienhaus nicht unbedingt für alle eine Möglichkeit
Klasse - da hat ein Tourismusforscher (Ulrich Reinhardt, Tourismusexperte der Stiftung für Zukunftsfragen) herausgefunden, dass die "Deutschen wieder Lust auf Familie" haben und einen Trend für den "Drei Generationen-Urlaub" ausgemacht. Abgesehen davon, dass dieser Trend so gar nicht neu ist und seit Jahrzehnten vor allem in Dänemark von Familien praktiziert wird, die mit Kleinkind und Großeltern entspannte Tage verbringen, werden von den PR-Agenturen die seltsamsten Angebote für einen Drei-Generationen-Urlaub verbreitet. Bequem und vor allem sofort umsetzbar: Preisnachlass in Höhe des Alters der Personen, die anreisen. Aufzählen der verschiedenen Sportangebote und dabei erzählen, dass für jede Generation das richtige dabei sei. Oder von einem Ferienhausanbieter in Holland - mieten Sie sich ein Schloss mit möglichst dicken Wänden, damit die drei Generationen sich aus dem Weg gehen können und sich vor allem auch nicht hören. Warum dann überhaupt zusammen verreisen? Das sind Ausgeburten hirnloser Marketing-Fantastereien, aber keine wirklichen Konzepte. Die Betroffenen selbst sind - nochmals als Beispiel Dänemark - dabei schon lange viel klüger. Ferienhausurlaub der Familie mit Kindern zusammen mit Oma und Opa - aber nicht in einem Ferienhaus, sondern in zwei kleineren, nebeneinander liegenden Domizilen. Das ist auch für die Kinder viel spannender, wenn sie die Großeltern dort "besuchen" - wie im normalen Alltag auch. Und die Eltern bekommen ihre Freizeit, wenn die Kinder mit der älteren Generation etwas unternehmen. So bestehen für alle die durchaus notwendigen "Rückzugsmöglichkeiten". Für Hotels könnte es bedeuten, einen Drei-Generationen-Urlaub in zwei nebeneinander (oder wenigstens auf einer Etage) liegenden  Suiten anzubieten mit extra Kinderzimmer, einen großen Familientisch im Restaurant zu reservieren und nach Hochstuhl oder speziellem, altersgerechten Spielzeug zu fragen. Aber da müsste man ja echt flexibel sein und Ideen entwickeln.
 
"Genießen Sie sich" mit Medical "Migräne"
Niedersachsens neue Tourismuskampagne interpretiert Marktforschungsergebnisse
11.4.2010 -ki - Niedersachsen startet eine Tourismuskampagne unter dem Motto "Genießen Sie sich", ein Motto, das die Macher glauben, aus Marktforschungsergebnissen herausgelesen zu haben. Wenn ich mich selbst "genießen" kann und mein Alltag mich nicht "ungenießbar" gemacht hat, warum soll ich dann noch wegfahren, um z.B. das "Medical Migräne"-Angebot für 379,- Euro (pro Person im DZ für ein Wochenende) in einer der "4 Komfortzonen Niedersachsens" über mich ergehen zu lassen, das so (Zitat) beschrieben ist:

"Erleben Sie die Vielfalt dieses einzigartigen Resorts und entdecken Sie das Medical Anwendungsprogramm. Bei diesen Arrangements übernachten Sie in harmonisch stilvollen Superiorzimmern und nutzen an allen Tagen den Wellnessbereich mit Schwimmbad, Whirlpool, Erlebnisduschen, Sauna und Dampfbad.
Ein kuscheliger Bademantel begleitet Sie während Ihres Aufenthaltes, und in der Teeoase des Castanea Spa lassen Sie bei kostenfreien Teespezialitäten die Seele baumeln. Außerdem haben Sie die Möglichkeit, kostenfrei an über zwanzig professionellen Sportkursen pro Woche teilzunehmen."

Jedes bessere 4-Sterne-Hotel bietet heute solche Einrichtungen. Ich ziehe auch lieber einen "kuscheligen Bademantel" an, als dass er mich - wie auch immer - "begleitet".

Irgendwie erinnert das Ganze an die völlig verunglückte Reisebüro-Kampagne mit dem Slogan "Lassen Sie sich kümmern". Die hat damals vielen Verantwortlichen ganz starke Kopfschmerzen beschert. Die Niedersachsen werden für ihre jetzt gestartete Kampagne ihr "Migräne-Programm" noch dringend brauchen.
 
Eine Flut von Auszeichnungen
Was darf man davon denn nun halten
20.1.2010 - Seit Jahresbeginn bekommt unsere Redaktion eine Flut an Meldungen, die alle darüber berichten, welche tollen Auszeichnungen Hotels, Restaurants, Destinationen, Clubs usw. erhalten haben. Vorne weg Auszeichnungen des HolidayCheck Hotelbewertungsportals. In allen Kategorien gab es die begehrten Auszeichnungen. Und wo ein großer Anbieter nicht berücksichtigt werden konnte, da gab es dann auch noch undefinierte "Sonderpreise". Irgendwie kommt man sich ein wenig veralbert vor - ganz wie bei der Bambi-Verleihung, dem Comedy-Preis und was es sonst noch alles gibt, wo man eine zweifelhafte Kompetenz durch "awards" etablieren möchte. Die eigene Erfahrung bzw. die des Nachbarn sind letztlich wohl doch die zuverlässigsten Maßstäbe.
 
TUI eröffnet Robinson-Club auf Malediven-Atoll
Umweltschutz und Menschenrechte ohne Belang?
15.12.2009 -ki - TUI stellt sich gern als Vorreiter des Umweltschutzes in der Reisebranche dar. In einer kürzlich veröffentlichten Pressemeldung heißt es dazu:
"Während auf dem Weltklimagipfel in Kopenhagen Staats- und Regierungschefs über die Reduzierung von Treibhausgasen, Waldzertifikate und Kompensationszahlungen diskutieren, sind Unternehmen in Deutschland selbst schon tätig. In der Tourismusbranche ist TUI, Deutschlands führender Reiseveranstalter, mit einer Vielzahl von Maßnahmen und Projekten der Vorreiter in Sachen Klima- und Umweltschutz...."
Hier gibt es einen eklatanten Widerspruch im Zusammenhang mit der Eröffnung des neuen ROBINSON-Clubs auf den Malediven, Funamadua, Gaaf Alif Atoll.
Bei Wikipedia heißt es dazu:
Umweltschutz ist auf den Malediven in der Praxis nicht vorhanden. Gesetze zum Umweltschutz sind zwar vorhanden, aber deren Einhaltung wird nicht überwacht oder Verstöße werden nicht geahndet. Beispielsweise darf die bebaute Fläche eines Resorts nicht 20 Prozent der Inselfläche übersteigen. Die Praxis sieht ganz anders aus, was für den Besucher beim An- oder Abflug meist gut sichtbar wird. Die Regierung überprüft nicht die Einhaltung der Baupläne, beziehungsweise erfolgen Sanktionen wegen der allgemein üblichen Korruptionen nicht. Das Interesse der Regierung besteht in möglichst vielen Touristenbetten. Die meisten neuen Hotelinseln sind durch „landscaping“ in die gewünschte Form gebracht. Dies geschieht durch „Ausbaggern“ und Sandpumpen, was ungeheure Schäden an den Riffen hervorruft. Auch Privatflughäfen für einzelne Resortketten, zum Beispiel Maamingili im Süd-Ari-Atoll, werden durch Aufschütten des Riffdaches gewonnen.
Schlimmer noch ist die Ignoranz des Marktführers TUI beim Thema "Menschenrechte und Reisen", wo er sich ganz und gar  zurückhält.
Die Malediven sind eine Präsidialrepublik mit wesentlich eingeschränkten Menschenrechten. Bei dem Vollzug der Todesstrafe steht der Inselstaat nach China und den USA ganz weit vorne.
Im übrigen ist zu bedenken:
Grundrechte wie die Rede- und Meinungsfreiheit sind eingeschränkt; im Vorfeld und während politischer Kundgebungen werden auch friedliche Demonstranten festgenommen. In maledivischen Gefängnissen sitzen nach wie vor zahlreiche politische Häftlinge ein.
Im Juli 2003 veröffentlichte Amnesty International einen Bericht über die Menschenrechtsverletzungen des Regimes von Präsident Gayoom, in dem dieses beschuldigt wird, Folter anzuwenden. Häftlinge würden geschlagen und getreten, sie müssten stundenlang in Handschellen gefesselt in der Sonne ausharren. Vor Gericht würden ihnen Anwälte verwehrt.
Die Herausgeber des unabhängigen Internetmagazins „Sandhaan“ wurden wegen Hochverrats zu lebenslanger Haft verurteilt, unliebsame Politiker seien ebenso weggesperrt worden wie religiöse Führer oder Künstler. Gleichzeitig baut der Präsident ehemalige Militär-Gebäude zu Gefängnissen aus - auf Inseln weit weg von den Luxus-Hotels der Touristen.

Die Redaktion Reise-Pilot.de verzichtet weitgehend auf jede Berichterstattung über die Malediven, es sei denn, kritisch. Wer auf den Malediven Urlaub macht unterstützt das Unrechtsregime - dessen sollte man sich jedenfalls bewusst sein.