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Abruzzen: ein Naturerlebnis
Zwischen L’Aquila und Castel del Monte - ein Reisebericht von Eszter Pichler
Auf der Suche nach weitem Himmel, Wäldern, Höhenwegen, Einsamkeit und Ruhe wagen wir uns ins Erdbebengebiet von April 2009 und werden belohnt: menschenleere Höhenlandschaften, Wildblumen in allen Farben und herzliche Menschen, die uns gern beschenken. Schon bei den Reisevorbereitungen zeigen sich die Unterschiede: es ist gut, mit einem Partner zu reisen, der schon Erfahrung als Rucksacktourist hat. Für mich ist es das erste Mal: reisen mit unserem Gepäck ständig auf dem Rücken und schlafen unter freiem Himmel. Mein Partner Richard ist Kanadier, lebt als Schriftsteller in Budapest und ist ganz und gar ein Umweltfreund. Bevor es los geht, gibt es für mich also noch einen Intensivkurs in Sachen Mülltrennung, Wiederverwertung von Plastik- und Papiersäcken, Nutzung von Tupperware-Behältern statt Alufolie sowie Einkaufstipps – von der Stirnlampe bis zur superleichten Aluminium-Wasserflasche. Nur noch ein paar Mal zur Abhärtung auf dem Parkettboden schlafen, dann bin ich bereit für den Aufbruch.
Wir wissen nicht viel über die Abruzzen. Wir lesen, dass der Gran Sasso d’Italia das höchste Gebirgsmassiv der Appeninnenhalbinsel ist, wir studieren die Wanderkarte zum Nationalpark, treffen Entscheidungen, ohne noch genau über die Zug- und Busverbindungen Bescheid zu wissen und stürzen uns in unser Reiseabenteuer. Vieles lässt sich ganz sicher vor Ort in Erfahrung bringen. Wir haben außerdem ja unser Zelt, das uns ein starkes Gefühl von Unabhängigkeit gibt. Doch zunächst versuchen wir, unserem groben Plan zu folgen: Der Zug bringt uns nach Rom. Von hier soll es einen Bus nach L’Aquila, und von dort aus eine weitere Busverbindung nach Assergi geben. Doch schon der Anruf beim Campingplatz von Assergi macht deutlich, dass die Folgen der Erdbebenkatastrophe von April 2009 auch jetzt im August noch zu spüren sind. Die Busverbindungen sind unsicher, teilt uns die Frau mit, wenn wir erst abends ankommen, kann es sein, dass wir nicht mehr nach Assergi gelangen. Wir riskieren es und lassen uns überraschen.

Als wir auf dem Busbahnhof in L’Aquila ankommen, sehen wir ein völlig desolates Schaltergebäude und verschiedene Zelte, Kontainer, ein paar Leute. Wir werden gleich begrüßt, Hilfe wird uns angeboten. Es ist fast schon 20 Uhr und kein Bus mehr nach Assergi unterwegs. Auch unser Plan B, ein Taxi zu nehmen, platzt, da die Taxis erst wieder am frühen Morgen fahren. Wir sehen uns um und denken, dass unser kleines Zeltchen zwischen den vielen großen Zelten gar nicht auffallen würde, und schon schlagen unsere lokalen Helfer vor, dass wir auf dem Gelände übernachten könnten. Damit es auch wirklich keine Probleme mit der Polizei gibt, sollten wir eher in einem der großen Zelte schlafen, das gerade nicht benutzt wird, aber sie überlassen die Entscheidung uns. Es gibt einen kleinen Brunnen mit lauwarmem Wasser, Mobi-Klos – was brauchen wir mehr. Unsere Helfer tragen Namenschilder, in einen der Container ist ein Teil der Schalterhalle ausgelagert, dort gibt es die Bus-Tickets zu kaufen, in einem anderen ist eine Art Tourismusbüro untergebracht. Wir bekommen ein kühles Bier spendiert und herzliche Wünsche für eine gute Nacht. Es wird rasch finster, wir liegen neben dem großen Zelt, in dem wir schlafen könnten, auf der Bordsteinkante und betrachten die vielen Sterne, die Dank der schwachen Platzbeleuchtung zu sehen sind. Dann beschließen wir doch, unser eigenes kleines Zelt aufzuschlagen. Wir sind noch mitten dabei, als uns gegen 00.15 Uhr eine Erschütterung und Gedröhn überraschen. Für wenige Sekunden stockt uns der Atem, wir haben keine Ahnung, was wir soeben gehört oder gefühlt haben.

Unter dem Gelände ist eine Parkgarage, soviel stellen wir fest. Vielleicht hat sich ein schwerer Truck auf den Weg gemacht. Erst am nächsten Tag erfahren wir, dass das ein weiteres Erdbeben war, zum Glück nur ein ganz schwaches. Wir erkundigen uns nach Busverbindungen, sprechen nochmals mit dem netten Herrn vom improvisierten Tourismusbüro, der selbst passionierter Berggeher ist. Und beschließen, einen Supermarkt ausfindig zu machen, um uns mit Proviant für die nächsten Tage zu versorgen. Wir brechen zu Fuß ins Zentrum von L’Aquila auf, sehen ein Zeltdorf vor den ersten Häusern der Stadt, und dann bereits das Ausmaß der Schäden. Kaum ein Haus, das nicht Risse und Sprünge aufweist, oder auseinanderzubrechen droht. Ganze Straßen sind abgesperrt, wir fragen uns zum Zentrum durch. Einen Supermarkt gab es da einmal, bloß ist da jetzt nichts mehr, teilt uns ein älterer Herr mit bitterer Stimme mit. Den nächsten Supermarkt finden wir etwa 1 km stadtauswärts. Er beschreibt uns den Weg. Wir sehen mehr von L’Aquila, das Stadtzentrum mit schönen alten Bäumen und pastellfarbenen Häusern wirkt trotz der sichtbaren Schäden recht betriebig. Etwas außerhalb des Zentrums, sind viele Häußer unbewohnt, andere stehen zum Verkauf bereit, wieder andere erstrahlen in frischem Gewand, sind gerade dabei, fertig errichtet zu werden. Sie locken verführerisch in diese sonnige, schöne Gegend, die eine unübersehbare Schattenseite hat. Der Supermarkt ist riesig, die Regale halb leer. Wir finden dennoch unsere italienischen Spezialitäten, mit denen wir uns die nächsten Tage verpflegen werden: Pesto, Carciofi (Artischocken) in Öl, Pecorino-Käse, Ciabatta, dazu Tomaten und Gurken, saftige Pfirsiche, Nektarinen, dunkelrote Pflaumen.

Wir haben unser Ziel Assergi aufgegeben, weil laut unseren Helfern die Seilbahn ins Gran Sasso Gebirge wahrscheinlich noch nicht wieder in Betrieb ist. Außerdem wurden wir auf ein anderes Gebiet aufmerksam gemacht: Östlich von L’Aquila verbindet ein Höhenweg verschiedene Bergdörfer. Wir machen uns also mit dem Bus auf nach Castel del Monte. Ein Stück geht die Fahrt auf der Schnellstraße entlang, bald schon weicht der Bus aber auf die schmalen Serpentinenstraßen aus, die uns in eine höhere Region bringen. Wir sehen, wie unbewaldet die Berghänge sind und wie trocken die Landschaft. Was wird uns erwarten? Stechende Sonne, kaum Vegetation, Durststrecken in einer Landschaft, die wie oberhalb der Baumgrenze wirkt, ohne jedoch so hoch zu liegen? Zunächst empfängt uns Castel del Monte: zur Zeit unserer Ankunft am frühen Nachmittag ein verschlafenes, ruhiges Dorf. Wir erfragen noch rasch vom Buschauffeur die Fahrzeiten von Barisciano nach Pescara, dann verabschieden wir uns von den Mitteln moderner Fortbewegung und konzentrieren uns wieder auf unsere Füße. Spazieren durch mittelalterliche schmale Gässchen, die von grauen Steinhäusern gesäumt sind. Alles ist sehr verwinkelt und ineinander verschachtelt, nicht immer wird deutlich, wo ein Haus aufhört und das nächste beginnt.

Ein einladendes Restaurant bietet noch keine warme Küche, aber der Besitzer listet uns gerne die Menüpunkte für das Abendessen auf. Spezialitäten der Gegend sind Caciotta-Käse und Safran, daraus ließe sich für uns Vegetarier ein sehr gutes Mahl zubereiten. Wir widerstehen der Versuchung, zu bleiben, schließlich sind wir zum Wandern gekommen. Deshalb gibt es erst einmal Picknick im Park mit Blick auf den historischen Ortskern, dann möchten wir in Richtung Calascio und Santo Stefano di Sessanio aufbrechen. Wir ahnen schon, dass wir unser Ziel nicht vor dem Sonnenuntergang erreichen werden, also gönnen wir uns noch ein weiteres bisschen Zeitverzögerung und lassen uns von einer Gelateria mit hausgemachtem Eis zwei Tüten mit auf den Weg geben. Unsere Wanderkarte ist hilfreich, weil wir sie mit uns tragen können, aber im Unterschied zu den vor Ort aufgestellten Tafeln erwähnt sie Pfade, die wir vor Ort nicht finden. Wir fragen insgesamt drei Leute, von wo aus der Wanderweg, der immerhin den Namen Sentiero Italia trägt, startet, aber niemand scheint ihn zu kennen. Alle verweisen uns auf die „strada”, auf der wir mit dem Bus gekommen sind. Wir geben nicht auf, folgen der Autostraße nur ein kurzes Stück und steigen dann den Hang hinab. Teilweise geht es steil bergab, bis wir in eine Art Talboden (ein Hochtal) gelangen, wo am Rande einiger Felder endlich ganz deutlich unser Pfad beginnt. Schon auf dem Weg dorthin entdecken wir Schätze, die vom Bus aus gar nicht zu erahnen waren: Wildblumen in den herrlichsten Farben und Formen. Wir passieren Mehlbeeren, naschen wilde Brombeeren, entkommen einigen aufgeschreckten Bienen, die von bunten Imkerkästen ausschwärmen, und marschieren den Talboden entlang, bis uns nach langer Zeit ohne eine Menschenseele eine Autofahrerin entgegenkommt. Sie erklärt uns, dass wir erst die Hälfte des Weges nach Calascio hinter uns haben, verweist uns auf die Straße, argumentiert damit, dass es doch bald dunkel wird und es sehr nach Gewitter aussieht. Ob wir vielleicht mitfahren wollen?

Wir möchten zu Fuß weiter, genießen es, so allein zu sein, weit und breit so viel Natur zu sehen und machen uns an den Aufstieg aus dem Talboden hinaus. Als es schon fast ganz dunkel ist, bauen wir unser Zelt auf. Wir finden ein Plätzchen mit wild wachsendem, duftendem Rosmarin und mit Blick zurück auf Castel del Monte, das schon von einzelnen Lichtpunkten geschmückt ist. Niemand ist zu sehen, nur in der Ferne hören wir ein Heulen. Hunde oder Wölfe? Diese Frage beschäftigt Richard. Mich interessieren die finsteren, regenschweren Wolkenformationen am Himmel. Doch der Wind bläst sie nicht in unsere Richtung, der Mond tritt immer deutlicher hervor und beleuchtet die nächtliche Szene – meine erste Nacht unter freiem Himmel in einem Nationalpark. Richard erinnert mich daran, dass ich mich nicht versehentlich mit Klopapier auf den Weg machen soll, aber mein Körper hat sich schon darauf eingestellt, dass es hier keine Badezimmer gibt. Wir verlassen unsere Schlafstätte genau so, wie wir sie vorgefunden haben, lassen keinen „Fußabdruck” zurück.

Bei Tageslicht bemerken wir, dass wir gut daran taten, nicht bei Nacht weiterzugehen. Der Pfad verschwindet und gibt uns keinen Hinweis mehr, in welche Richtung wir gehen sollen. Einzige Hilfe ist unser Kompass. Die hügelige Landschaft lotst uns bergauf und schickt uns bergab, wilder Kamille und Distelgewächsen ausweichend. Bis wir bei einem kleinen Teich ankommen, in dessen sumpfigen Gelände Mücken auf uns lauern. Richard ist geübt im Klettern und schlägt eine Abkürzung den steilen Hang hinauf zur Straße vor. Er zieht meinen Rucksack hinter sich her, trägt zum Teil auch mich und hilft mir so über das Geröll hinweg und zwischen Wacholderbüschen hindurch ein kurzes, aber dafür sehr steiles Stück hinauf. Der Straße müssen wir nur noch ein kurzes Stück folgen, dann erreichen wir Calascio. Am Ortseingang bieten uns ein Picknick-Platz und vor allem ein Frischwasser-Brunnen Gelegenheit zur Rast.

Die aufgestellten Wanderkarten helfen uns beim Planen der weiteren Route: hinauf zur Burg, wo es das Rifugio della Rocca geben soll. Auf dem Weg dorthin entdecken wir ein kleines Restaurant und können nicht anders: wir läuten an der Türglocke und fragen, was es zum Mittagessen geben wird. Wieder erhalten wir eine Liste an Köstlichkeiten, von Gnocchi bis Zucchiniblüten, und bedauern, dass es noch nicht Mittagszeit ist. Wir dürfen uns aber zu einem Cappuccino, Tiramisu und hausgemachtem Schokoladekuchen setzen. Auf unsere Fragen nach schönen Orten in der Gegend und weiteren Reisetipps erhalten wir bereitwilligst Auskunft, die Tochter des Hauses recherchiert für uns sogar die Zugfahrzeiten im Internet. Die kleine Stärkung wird uns später zugute kommen, der Aufstieg zur Burg Rocca Calascio ist lang und steil. Wir wissen noch nicht, dass es die höchste Burg Italiens ist. Uns kommen nur Autos und Motorradfahrer entgegen. Niemand geht wie wir zu Fuß hinauf. Oben angekommen, am Fuß der Burg, empfängt uns das Schweigen eines leer stehenden mittelalterlichen Mini-Dorfes. Wir hoffen dennoch auf das Rifugio, wagen uns in den Ortskern hinein, und nach einer Kurve wird die Stille um uns herum plötzlich von Menschenstimmen unterbrochen. Die Gaststätte hat geöffnet, und zwei hochgewachsene, gut aufgelegte Jungs fragen uns nach unseren Wünschen. Sie servieren einen Mix aus Pilzen mit Käse der Region überbacken sowie Gnocchi mit Kichererbsen und Auberginen. Parmigiano, Olivenöl, Aceto Balsamico und gutes Brot – all das sättigt uns sehr. Wir würden gern noch lange dort sitzen, die Aussicht genießen und rasten. Doch der Weg nach Santo Stefano di Sessanio scheint nicht mehr ganz so weit zu sein, und wenn wir es schaffen, könnten wir am Abend in Barisciano campen. So denken wir uns das jedenfalls. Wir brechen auf, lassen wieder einmal alle Menschen hinter uns und haben nur unseren Weg vor Augen, gesäumt von Ringdisteln, neuen attraktiven Wildblumen und einem grandiosen Panoramablick.

Die sanften, braunen Hügel sind an manchen Stellen von ein wenig Wald bedeckt, ansonsten geben sie den Blick frei auf die Gebirgsmassive rundum. Wir fragen uns, wie alt dieser Weg wohl ist und lassen unsere Gedanken Zeitreise spielen. Kurz vor Santo Stefano di Sessanio sehen wir ein Kornfeld in der Sonne leuchten, Sträucher mit wilden Pflaumen, winzig, noch unreif. Es kommen also vielleicht doch hin und wieder Menschen hierher... Dann erwartet uns das Bergdorf. Auch hier sind Schäden des Erdbebens sichtbar. Ein Teil des alten Ortskerns ist abgesperrt, durch die übrigen Gassen bummeln perfekt gestylte junge Italienier, verschwinden oder kommen aus den winzigen grauen Steinhäuschen – ein verzerrtes Bild. Wir finden eine Baby-Kröte, helfen ihr ins Grüne zurück und machen uns selbst auf die Suche nach Natur. Wieder fragen wir nach dem Ausgangspunkt des Wanderpfades und erhalten diesmal eine exakte Wegbeschreibung. Die Landschaft zeigt nun ein neues Gesicht, wir wandern durch Waldgebiet und schnuppern die verschiedensten Baumgerüche, sehen sonnenblumengelb blühende Bohnenpflanzen, knipsen weitere Fotos, bis wir am Talboden anlangen. Der Pfad verliert sich hier, ist kaum noch sichtbar. Wir wandern auf einem Feld voller Disteln und anderen Wildblumen, umringt von Wäldern, aus denen nur die Laute von Tieren zu vernehmen sind. Sonst hören wir nichts: keinen Verkehr, keine Menschenstimmen. Wir folgen unserem Kompass und geraten mitten in hochgewachsenes Gras und Feldblumen hinein. Die Sonne steht so tief, dass sie die weißen Blüten und gelben Halme zum Leuchten bringt, ein magischer Ort. Besonders wegen der Stille, die nur eine Zivilisationsstille ist - die Natur ist zu hören. Aber genau das wirkt so beruhigend. Ein verlockendes Plätzchen, um unser Nachtlager aufzuschlagen – aber es ist noch nicht Zeit dafür, wir können noch mindestens eineinhalb Stunden wandern. Ein Feld nach dem anderen durchschreitend, versuchen wir an das Ende des Talbodens zu gelangen.

Der Weg scheint unendlich. Es dauert, bis wir wieder in die Höhe aufsteigen können, und laut unserer Karte irgendwann eine Straße erreichen sollten. Und immer noch kein Pfad, der uns weiterhilft. Die Dunkelheit bricht schon fast wieder über uns herein, als wir endlich ein Plätzchen für unser Zelt finden. Es ist eine Art winzige Terrasse, es besteht die Gefahr, dass wir mitten in der Nacht mit unserer Minibehausung abrutschen, doch es droht uns nichts: Das Wetter ist beständig, nach wie vor hängen schwere Wolken am Himmel, aber es regnet nicht. Nur Nebel legt sich feucht auf unser Zelt, kein Wind bläst uns von der Klippe. Am Morgen werden wir dafür mit einem überwältigenden Ausblick belohnt. Die Sonne ist dabei, aufzugehen, der Himmel zeigt sich in Farben von Tiefblau bis Gelb. Wir sehen die Türme der Burg von Calascio in weiter Ferne, sehen, wie weit wir gegangen sind, die Wälder und den Talboden unter uns. Aber es ist kalt, sehr kalt, weil die Feuchtigkeit bis in unsere Kleider gedrungen ist. Wir verlieren nicht viel Zeit, packen zusammen und sind schon wieder auf dem Weg. Je mehr wir uns der Straße nähern, desto häufiger treffen wir auf weggeworfenen Müll: verrostete Behälter, Plastikflaschen, Innenteile einer Waschmaschine, ein alter Kindersitz. Richard findet eine einigermaßen intakte Decke, packt was er kann hinein, ich sammle Flaschen und Dosen im meinen Armen. Wir bringen so viel wie möglich zur Straße und errichten eine Art Mahnmal. Wie können Autofahrer nur so faul und verantwortungslos sein und ihren Müll einfach auf diese Weise entsorgen: mitten in einem Nationalpark?

Als die Sonne schon aufgegangen ist und uns wärmt, nehmen wir uns Zeit für ein Frühstück und Zähneputzen. Dabei entdecke ich zum ersten Mal eine Gottesanbeterin in freier Natur. Sie ist kleiner, als ich sie mir vorgestellt habe, und sehr gut getarnt: Ihr glatter Körper ist genauso grün, wie das Gras, das sie umgibt. Auch sie posiert für unseren Fotoapparat. Wir sind dankbar.

Leider finden wir unseren Pfad auch auf der anderen Seite der Straße nicht. Wir folgen also dem Verkehr in Richtung Barisciano, bis wir bei einer Kapelle den Abstieg in unser Ziel-Städtchen nehmen. Barisciano wirkt an diesem Mittwoch Vormittag wie ein abgelegenes Provinzdörfchen am Sonntag Nachmittag. Auf den Straßen sind nur wenige Leute zu sehen. Manche Häuser werden von Pflöcken vor dem Einstürzen bewahrt, an der Eingangstür zu einer Art Tante-Emma-Laden hängt eine Zeitungsmeldung mit der Nachricht, dass wegen des Erdbebens die Touristen ausbleiben. Wir fragen eine Frau, wo der Bus nach Pescara halten wird. Sie steht mit zwei Flaschen selbstgemachter Tomaten-Polpa vor ihrem Haus, gibt gern Auskunft, lobt unsere Italienischkenntnisse und tauscht mit Richard Rezepte aus.

Wir bedanken uns und ziehen weiter, kaufen herrlich frisches Vollkornbrot im Laden und füllen unsere Wasserflaschen am Brunnen. Ein Obststand versorgt uns noch mit Pfirsichen und Trauben. Als Geschenk bekommen wir eine überreife Honigmelone mit auf den Weg. Die Menschen hier interessieren sich für uns und freuen sich sichtlich über Besucher. Wir finden das Tourismusbüro, vor dem der Bus halten wird, der uns nach Pescara bringen soll. Bis zur Abfahrtszeit erhalten wir noch großzügig Auskunft und Material über das Nationalpark-Gebiet, aus dem wir soeben kommen, werden eingeladen, in dem kleinen Häuschen, das zugleich ein Spezialitätenladen mit Käse, Süßigkeiten und Schaffellen ist, zu warten. Dann steigen wir auch schon in den Bus, nehmen Abschied von den Abruzzen und das Rätsel mit uns: Warum sind wir die einzigen Reisenden hier in dieser bezaubernden Landschaft? Die Landschaft ist perfekt, wie sie ist, sie braucht die Touristen nicht. Diejenigen aber, die das zu schätzen wissen, werden wirklich belohnt.

Bericht und Fotos: Eszter Pichler
 

"All inclusive" ist nicht

gleich "Alles drin"
 
Bunte Bändchen am Handgelenk sind ihr Erkennungszeichen, Kostenkontrolle ist das Ziel. Urlauber lieben All inclusive. Eine Untersuchung von mehr als einer Million Urlaubsbuchungen des Reiseportals HolidayCheck.de ergibt, dass 53 Prozent aller Pauschalreisenden AI buchen, weitere 29 Prozent entscheiden sich für Halbpension. Mehr und mehr Reiseveranstalter erweitern die Bezeichnungen Halbpension, Vollpension und AI mit einem „plus“. Doch was steckt hinter diesen Bezeichnungen? Im Grunde sind mit dem "plus" bei den vermeintlichen Bezeichnungen AI, VP oder HP eine ganze Reihe an Einschränkungen verbunden. HolidayCheck erklärt die gängigsten Varianten.

KURZMELDUNGEN

18.5.2012


2 Neue Hotels in Edinburgh
Seit August 2011 steht in der schottischen Hauptstadt das 4-Sterne B&B Boutique Hotel Edinburgh (Foto) zur Verfügung. Mit 22 Zimmern liegt das Haus an der Rothesay Terrace nur wenige Gehminuten von der Innenstadt entfernt. www.bb-edinburgh.com. Eröffnet hat jetzt auch am York Place das Indigo-Hotel in Edinburgh. Das historische Haus aus dem 18. Jahrhundert wurde sorgsam renoviert und dabei konnten viele Stilelemente erhalten bleiben. Dennoch sind alle Zimmer mit modernster Technik ausgestattet. www.ichotelsgroup.com.

17.5.2012
Internationales Gambenfestival in den französischen Ardennen
Das 6. Internationale Gambenfestival findet vom 29. Juni bis zum 1. Juli in der kleinen Stadt Asfeld in den französischen Ardennen statt. Deutschland steht dieses Jahr thematisch im Vordergrund. Am Samstag, den 30. Juni gibt das Ensemble La Fenice ein großes Konzert „Italienische Maniere“. Die Gambe in Deutschland im 17. und 18. Jahrhundert wird im Konzert „La Nymphe di Rheno“ am Sonntag, den 1. Juli gefeiert. www.violedegambe.org

10.5.2012


Neue Reisemarke für Erlebnisreisen
Avastama, die neue Marke des Direktreiseveranstalters Berge & Meer, kommt aus dem Estnischen, bedeutet „Entdecken“ - also Reiseerlebnisse hautnah am Alltagsgeschehen mit tiefen Einblicken in fremde Kulturen und einzigartigen Naturerlebnissen. Die Zielgruppe für Avastama-Kunden sollen "handfest" sein, fahren schon einmal mit dem Motorroller, sind gut zu Fuß, empfinden das Flair schlichter Lodges als Luxus und teilen allesamt das gleiche süße Leid: Fernweh und Sehnsucht nach authentischen Erlebnissen. www.avastama.de.

9.5.2012


The Grand Scottish Prom
Glamis Castle richtet nach dem großen Erfolg 2011 auch in diesem Jahr wieder “The Grand Scottish Prom“ mit dem Royal Scottish National Orchestra aus. Termin dieser spektakulären Konzertveranstaltung vor ehrwürdiger Kulisse wird Samstag, der 11. August sein. www.glamis-castle.co.uk. Foto: © Angus Pictures

8.5.2012


Zur Audienz nach Dharamsala
Eine neue Reise des Asien-Spezialisten a&e erlebnis:reisenbietet intensive Einblicke in die tibetische Kultur im Norden Indiens. Die kleine Stadt Dharamsala liegt am Fuße des Himalajas im Norden Indiens. Sie gilt als Zentrum Tibets im Exil. Die Rundreise des Hamburger Veranstalters a&e erlebnis:reisen führt in die alte Bergstation im indischen Bundesstaat Himachal Pradesh. Als besonderes Highlight des mehrtägigen Aufenthaltes in Dharamsala ist eine Audienz im Tempel des Karmapa geplant. www.ae-erlebnisreisen.de.

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