100 Jahre liechtensteinische Briefmarken 1912-2012
Sonderausstellung erzählt die Anfänge der Philatelie des Fürstentums
Januar 2012 -ki - Liechtensteiner Briefmarken sind filigrane Schönheiten - weltbekannt, von hohem ästhetischen Wert und anspruchsvoll gearbeitet. Anfang 1912 wurden die ersten Exemplare mit dem Porträt des Landesfürsten Johann II. und der Inschrift "K. K. Österreichische Post im Fürstentum Liechtenstein" an die Postämter ausgeliefert. Kein Geringerer als der bedeutende Wiener Jugendstilkünstler Koloman Moser gestaltete diese philatelistischen Erstlinge mit typisch floraler Ornamentik. Bis heute sind Liechtensteiner Postwertzeichen begehrte Sammlerstücke. Zum Jubiläum zeigt das Postmuseum in Vaduz ab 1. Februar 2012 die Ausstellung "100 Jahre liechtensteinische Briefmarken 1912-2012" (bis 13. Januar 2013). Zu sehen sind unter anderem Originalentwürfe Mosers, Probeabzüge und Prägstöcke sowie die ersten Freimarken des Fürstentums. Zudem illustriert die Sonderschau Anekdoten aus der Postgeschichte des Landes. Zusätzlich sind in den Museumsräumen alle in Liechtenstein erschienenen Briefmarken sowie unveröffentlichte Entwürfe zu bewundern.
Kleine Kunst: Die Briefmarkengeschichte Liechtensteins
Geschichte in Grün (5 Heller), Rot (10 Heller) und Blau (25 Heller), konzentriert auf 8,84 Quadratzentimetern: Die ersten liechtensteinischen Briefmarken sind philatelistische Meisterstücke und zugleich stille Zeugen historischer Ereignisse. Denn das Fürstentum hatte mit dem Staatsvertrag von 1852 sein Postwesen eigentlich komplett in österreichische Hand gegeben und in die Handelsunion mit dem Nachbarland eingebunden. Trotzdem wurde die Veröffentlichung eigener Briefmarken als Zeichen nationaler Souveränität immer wieder diskutiert.
Nach 1900 bekam die Debatte neuen Schwung, Gründe waren das stark steigende Postaufkommen sowie die schlechte Entlohnung der Postbediensteten. Das zuständige k. k. Handelsministerium in Wien ignorierte diese Bestrebungen zunächst undversuchte dann, sie zu behindern. Nach zähen Verhandlungen fanden beide Parteien schließlich im Juli 1911 einen Kompromiss - letztlich sollte wohl der bilaterale Handel nicht gefährdet werden. Allerdings durften die Liechtensteiner nur die drei gängigsten Wertstufen herausgeben, die österreichischen Marken blieben weiterhin gültig unddie Aufschrift "K. K. Österreichische Post im Fürstentum Liechtenstein" erinnerte an die damalige Zollunion mit Österreich-Ungarn. Außerdem kam der Erlös vor allem der österreichischen Staatskasse zugute. Von kuriosem Eigensinn erzählt der Verkaufsstart der anfangs auf gestrichenes Kreide-Papier gedruckten Marken: Bei Liechtensteiner Postämtern gingen sie bereits am 28. und 29. Januar 1912 über den Tresen - vor dem vom k. k. Handelsministerium amtlich verordneten Termin am 1. Februar in Wien.
Bewegt setzte sich die Postgeschichte des Kleinstaates fort: 1921 trat ein neuer Postvertrag mit der Schweiz in Kraft, fortan trugen die Briefmarken Rappen- und Frankenwerte. Erst seit rund zwölf Jahren ist die Liechtensteinische Post ein unabhängiges Unternehmen.
Ganz in der Tradition der Premiere vor 100 Jahren zeichnen sich die Briefmarken aus dem Fürstentum bis heute durch besondere Attraktivität aus. So wurde im November letzten Jahres zum chinesischen Jahr des Drachens 2012 als Weltneuheit eine Marke mit dem kunstvollen Scherenschnitt eines Wasserdrachens herausgegeben.
Wer war Koloman Moser?
Der Wiener Jugendstil ist eng mit dem Namen Koloman "Kolo" Moser (1868-1918) verbunden. Der Maler, Grafiker und Kunstgewerbler war eine der wichtigsten und vielseitigsten Persönlichkeiten der Wiener Künstlerszene um 1900. Gemeinsam mit dem Maler Gustav Klimt, den Architekten Josef Hoffmann und Joseph Maria Olbrich sowie weiteren Künstlern gründete er 1897 die Wiener Secession, zusammen mit Hoffmann und dem Industriellen Fritz Waerndorfer 1903 die Produktionsgemeinschaft Wiener Werkstätte. Deren wegweisendes Design prägte er in dieser Zeit wesentlich mit. Die Ausstellung im Liechtensteiner Postmuseum präsentiert neben dem ersten Originalentwurf Mosers für die erste liechtensteinische Briefmarke ebenso meisterliche Postkarten des Künstlers, darunter solche zur Gründung der Wiener Secession.
Postmuseum des Fürstentums Liechtenstein Städtle 37 9490 Vaduz/Fürstentum Liechtenstein www.postmuseum.li
Öffnungszeiten: täglich 10 bis 12 Uhr und 13 bis 17 Uhr Eintritt frei
Das Postmuseum des Fürstentums Liechtenstein ist eine Außenstelle des Liechtensteinischen Landesmuseums, einer öffentlich-rechtlichen Stiftung des Fürstentums Liechtenstein mit Hauptsitz in Vaduz. Das Postmuseum wurde 1936 eröffnet und sammelt alle liechtensteinischen Briefmarkenausgaben ab 1912 sowie die entsprechenden Entwürfe, Stichplatten, Probedrucke, ebenso postgeschichtliche Dokumente und historische Postgeräte.
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